Ein Festakt im Zeichen von Geschichte, Verantwortung und Zuversicht
Mit einem feierlichen Festakt beging das Büdinger Wolfgang-Ernst-Gymnasium (WEG) das Jubiläum seines 425-jährigen Bestehens. Zahlreiche Gäste aus Schule, Stadt und Region waren der Einladung gefolgt, um gemeinsam auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurückzublicken und zugleich den Blick in die Zukunft zu richten. Ehemalige und aktive Lehrkräfte, frühere Schülerinnen und Schüler, Vertreter des Schulamtes, des Elternbeirats und der Schülerschaft sowie Abgesandte der Stadt und des Hauses Ysenburg bezeugten durch ihre Anwesenheit die enge und über Generationen gewachsene Verbundenheit mit der Schule.
Schulleiter Oliver Eissing eröffnete den Festakt und begrüßte die Gäste. In seiner Ansprache hob er die besondere Stellung des Wolfgang-Ernst-Gymnasiums im Leben der Stadt hervor und verwies auf die vielfältigen Beziehungen, die Schule und Gemeinwesen seit Jahrhunderten miteinander verbinden. Mit Blick auf das Schulmotto betonte Eissing: „Unsere Schule soll ein Ort sein, an dem Zuversicht wächst und an dem junge Menschen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gewinnen, Neues wagen dürfen und über sich selbst hinaus in die Welt hineinwachsen.“ Confidentia in futurum, Vertrauen in die Zukunft, sei für das WEG nicht nur Wahlspruch, sondern täglicher Auftrag.


Unmittelbar im Anschluss sprach der amtierende Fürst Wolfgang-Ernst zu Ysenburg und Büdingen. Als direkter Nachfahre des Schulgründers erinnerte er an die historischen Wurzeln des Gymnasiums, dessen Anfänge auf Graf Wolfgang-Ernst I. von Isenburg-Büdingen zurückgehen. Erste Hinweise auf eine Bildungsstätte vor Ort finden sich bereits im Jahr 1416. Schon vor der offiziellen Gründung im Jahr 1601 bestand eine Lateinschule, vermutlich zunächst in Räumen über der gotischen Kapelle der damaligen Wasserburg, dem heutigen Schloss. Weitere Stationen an der Marienkirche, in der Schlossgasse, in der heutigen Gymnasiumstraße und schließlich auf dem Dohlberg verdeutlichten, wie eng die Geschichte der Schule mit der Stadt verbunden ist. Beide seien, so der Fürst, über Jahrhunderte hinweg gemeinsam gewachsen.
Den Festvortrag hielt Professor Dr. Johannes Bremer von der Katholischen Stiftungshochschule München. Ausgehend von der Gründungsidee zeichnete er die geistigen Grundlagen der Schule nach. Bildung habe von Anfang an mehr bedeutet als die bloße Vermittlung von Kenntnissen; sie habe die jungen Menschen befähigen sollen, Verantwortung zu übernehmen und ihren Platz in Gesellschaft und Gemeinschaft zu finden. Neben der klassischen Gelehrsamkeit sei insbesondere die religiös-philosophische Bildung prägend gewesen. Gerade in einer Zeit rascher Veränderungen bleibe dieser Zugang zur Weltdeutung unverzichtbar und setze bis heute wichtige Impulse für Werteorientierung und Zusammenhalt.
Bürgermeister Benjamin Harris unterstrich die Bedeutung des Gymnasiums für die Stadt. Viele junge Menschen kehrten nach Ausbildung oder Studium bewusst nach Büdingen zurück und übernähmen Verantwortung in Verwaltung, Politik, Vereinen oder Unternehmen. Das Gymnasium lege hierfür ein wesentliches Fundament und stärke die Bindung an die Heimat.
Einen persönlichen und zugleich kenntnisreichen Rückblick bot die Erste Stadträtin Katja Euler, die der Schule in vielfältigen Rollen verbunden ist. Als ehemalige Schülerin, Praktikantin, Referendarin, Lehrkraft und langjährige Fachbereichsleiterin für Sprachen und Künste, Musiklehrerin und Mitbegründerin des musikalischen Schwerpunktes und nicht zuletzt als Mutter kennt sie das Wolfgang-Ernst-Gymnasium aus nahezu allen Perspektiven. Ihr Beitrag spannte einen Bogen über mehrere Jahrzehnte schulischen Lebens, erinnerte an musikalische Projekte, an bildungspolitische Veränderungen und an die Herausforderungen der jüngsten Vergangenheit. Aus dieser biographischen Nähe erwuchs ein eindrückliches Bild der Schule als beständiger Ort des Miteinanders und der Erneuerung.
Die Schülersprecher Anton Behling und Carl Monceyron brachten schließlich die Sicht der jungen Generation ein. Für sie sei das Wolfgang-Ernst-Gymnasium nicht nur Lernort, sondern zugleich Lebensraum und täglicher Treffpunkt, an dem Freundschaften entstünden und Gemeinschaft erfahrbar werde. Dass beide selbst Kinder ehemaliger WEG-Schülerinnen sind, unterstreicht die gewachsene Tradition über Generationen hinweg. Die Grüße des Elternbeirats überbrachte Katja Ende und bekräftigte die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Elternhaus und Schule.


Katja Euler

Carl Monceyron

Anton Behling
Den festlichen Rahmen bildeten musikalische Beiträge, die den Abend stimmungsvoll begleiteten. Eine besondere Ehre war der Gastauftritt der Pianistin Yuri Matsuda vom Tokyo College of Music. Gemeinsam mit Musiklehrerin Katja Schütz am Klavier sowie ihrem Kollegen Hagen Pätzold an der Trompete gestaltete sie das musikalische Programm. Die Darbietungen unterstrichen eindrucksvoll die besondere Rolle des Wolfgang-Ernst-Gymnasiums als Schule mit musikalischem Schwerpunkt. Zugleich stand Matsudas Auftritt exemplarisch für die wachsende Neugier vieler Schülerinnen und Schüler auf die japanische Kultur. Das WEG nimmt regelmäßig an entsprechenden Wettbewerben teil und wurde dafür bereits vom japanischen Generalkonsulat in Frankfurt gewürdigt.
Im Anschluss an das offizielle Programm bot ein gemeinsamer Umtrunk Gelegenheit zu Gesprächen und Begegnungen. Ehemalige und Aktive tauschten Erinnerungen aus, knüpften alte Kontakte neu und informierten sich über die aktuellen Entwicklungen der Schule.



Der Festtag machte eindrucksvoll deutlich, was das Wolfgang-Ernst-Gymnasium seit nunmehr 425 Jahren auszeichnet: Beständigkeit im Wandel, Verwurzelung in der Stadt und die Zuversicht, junge Menschen auf ihrem Weg in die Zukunft zu begleiten. Zugleich bildete die Feier den Auftakt zu einem Jubiläumsjahr, das von weiteren Veranstaltungen begleitet wird. In jedem Monat sollen besondere Angebote dazu einladen, die Geschichte und Gegenwart der Schule gemeinsam zu würdigen und das Wolfgang-Ernst-Gymnasium in vielfältiger Weise zu feiern. Die organisatorische Vorbereitung des Festakts lag in den Händen von Lehrerin Regine Haro, die mit großem Engagement zum Gelingen der Veranstaltung beitrug.





