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Büdingen im Guckkasten

Schüler des Wolfgang-Ernst-Gymnasiums zeigen in der Stadtbücherei Dioramen zur Büdinger Froschgeschichte.

Ein Frosch spielt im Schlossgraben Schlagzeug, die Kinder von Graf Anton und Elisabeth turnen ausgelassen durch die Burg, an einer Wäscheleine hängen Unterhosen und auf dem Marktplatz gerät ein Metzger gehörig in Aufregung: Wer vor den Dioramen der Klasse 6d des Wolfgang-Ernst-Gymnasiums steht, entdeckt immer wieder neue Einzelheiten. Unter dem Titel „Büdingen im Guckkasten. Dioramen zur Froschgeschichte“ sind die Arbeiten derzeit in der Stadtbücherei Büdingen zu sehen.

Zur Eröffnung begrüßte zunächst Stadtbüchereileiterin Petra Richter die Schülerinnen und Schüler, deren Eltern und die weiteren Gäste. „Wir freuen uns, Sie zu dieser wunderbaren Ausstellung begrüßen zu dürfen“, sagte Richter. Die Besucher beträten einen „Raum voller Fantasie, Kreativität und handwerklichem Geschick“, entstanden aus den Händen und Herzen der jungen Künstlerinnen und Künstler. Die Dioramen erzählten die Büdinger Froschgeschichte auf ganz eigene Weise und zeigten, mit welcher Sorgfalt und Ausdauer die Kinder ihre Ideen umgesetzt hätten. „Jede kleine Szene ist ein Fenster in eine andere Welt, liebevoll gestaltet, durchdacht bis ins Detail.“

Grußworte der Stadt überbrachte die Erste Stadträtin Katja Euler, die sich mit ihren Worten unmittelbar an die Kinder wandte. „Ihr habt euch intensiv mit der Büdinger Froschgeschichte beschäftigt und zeigt nun auch anderen, was ihr dabei herausgefunden und geschaffen habt. Genau das ist wichtig: dass ihr euer Wissen und eure Kunstwerke nach außen tragt und damit nun auch andere für ein Thema begeistert und vielleicht zugleich auch für unsere Stadtbücherei“, sagte Euler. Das Wolfgang-Ernst-Gymnasium sei ein wichtiger Teil Büdingens und solche Ausstellungen machten sichtbar, wie eng Schule und Stadt im Austausch stehen. „Vor allem können wir hier sehen, was ihr mit euren Ideen und eurem Engagement alles auf die Beine stellt.“

Eine besondere Überraschung für die Klasse war der Besuch der Büdinger Froschkönigin Tabea Isabelle I. Sie hatte die Schülerinnen und Schüler bereits zum Auftakt des Projektes in der Schule besucht und freute sich nun über das Wiedersehen. Die beiden Klassensprecher führten sie durch die Ausstellung und stellten ihr die Arbeiten vor. Die Froschkönigin würdigte die intensive Beschäftigung der Klasse sowie die künstlerischen Fähigkeiten der Kinder: „Wer die Froschgeschichte so leidenschaftlich in Bilder verwandeln kann, gehört für mich definitiv zu den Frosch-Profis in Büdingen. Mir war es eine Freude, die Arbeit der Klasse ein Stück weit begleiten zu dürfen!“

Entstanden sind die Dioramen bereits im vergangenen Schuljahr, als die 24 Schülerinnen und Schüler noch die Klasse 5d besuchten. Das Projekt war von der Klassenlehrerin Vanessa Dippel von Anfang an fächerübergreifend angelegt und verband Deutsch, Kunst, Geografie und Biologie. Im Deutschunterricht gliederten sie die Büdinger Froschsage in einzelne Handlungsschritte und arbeiteten Schlüsselszenen heraus. Aus diesen Szenen entstanden anschließend im Kunstunterricht die Dioramen. Neben historisch orientierten Einzelheiten finden sich zahlreiche humorvolle und fantasievolle Einfälle: Ein Frosch fliegt mit einem Heißluftballon zurück zum Schloss, Amtmann und Bürgermeister treffen sich nachts bei Mondschein und immer wieder tauchen winzige Szenen auf, die die Handlung nicht verändern, sie aber aus der Fantasie der Kinder heraus ausschmücken.

Doch die Froschgeschichte sollte nicht nur im Klassenraum behandelt werden. Gemeinsam suchte die Klasse die Orte auf, die mit der Sage und ihrer historischen Überlieferung verbunden sind. Dabei ging es auch um die Frage, welches Wissen über Büdingen, über das Leben vergangener Jahrhunderte und über historische Personen in der Lokalsage steckt. Unterstützung kam von Christiane Meub, Lehrerin für Geografie und Biologie, die mit den Kindern den Fragen nachging, warum Frösche quaken, welche Froscharten sich in Sümpfen ansiedeln und was die geologischen Voraussetzungen für Büdingens Wasserreichtum sind. Auch diese historische Stadterkundung ist in der Ausstellung dokumentiert.

Für Dippel liegt ein besonderer Reiz des Projektes in der Verbindung von Ort, Geschichte und eigener Erfahrung. „Mich hat schon als Kind fasziniert, welche Geschichten sich mit einem Ort verbinden und was tatsächlich dahintersteckt“, sagt sie. „Wer sich mit der Geschichte und den Geschichten seines Ortes beschäftigt, erlebt ihn anders. Gerade in Büdingen gibt es sehr viel zu entdecken und ich finde es wichtig, dass auch Schülerinnen und Schüler eine Verbindung zu dem Ort entwickeln, an dem sie leben oder zur Schule gehen.“

Im Rahmen der Unterrichtseinheit schrieb die Deutsch- und Kunstlehrerin außerdem eine neue, für Kinder leichter zugängliche Fassung der Froschgeschichte. Diese versteht sich ausdrücklich nicht als Ersatz für die von Dr. Peter Decker festgehaltene Version, sondern als zusätzlicher Zugang für jüngere Kinder und Schulklassen. Die Sprache ist leichter verständlich, zugleich erhält Gräfin Elisabeth ein stärkeres eigenes Profil. Auch die Büdinger Bürger erscheinen weniger als bloße Figuren einer schildbürgerlichen Pointe, sondern als einfallsreiche und gewitzte Akteure der Geschichte. Die neue Fassung ist während der Ausstellung in der Stadtbücherei erhältlich und ist ab sofort auch über die Tourist-Information zugänglich.

Die Stadtbücherei greift das Thema Frosch während des gesamten Oktobers weiter auf, erklärte Petra Richter. Zwei Rätsel sowie die Lese- und Bastelzeiten beschäftigen sich damit. Darüber hinaus hat die Stadtbücherei zahlreiche neue Bücher rund um Frösche angeschafft, darunter Sachbücher, Bilderbücher und weitere Kinderliteratur.

Die Ausstellung „Büdingen im Guckkasten. Dioramen zur Froschgeschichte“ ist noch bis zum 16. Oktober in der Stadtbücherei Büdingen zu sehen.


Confidentia in futurum