Am 23. Februar 2026 hatten wir am Wolfgang-Ernst-Gymnasium (WEG) das Vergnügen, Prof. Dr. Helmut Krasser von der Justus-Liebig-Universität Gießen begrüßen zu dürfen.
Sein Vortrag „Epigrams Mustr Advertise. Martial und die römische Buchkultur“ zeigte auf, wie erstaunlich aktuell die Antike sein kann. Besonders wenn es um Werbung und Selbstvermarktung geht.
Im Zentrum stand der römische Dichter Martial (etwa 40 bis 104 n. Chr.). Bekannt wurde er durch seine Epigramme: kurze und pointierte Gedichte im elegischen Distichon (Mischung aus Hexameter und Pentameter). Der Hexameter erzeugt eine Erwartung, den Pentameter kippt er mit einer überraschenden Pointe.
Auf diese Weise erzeugte Martial gezielt Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit erzeugte Martial aber nicht nur über das Versmaß: Im ersten besprochenen Text präsentiert sich der Dichter mit Toto notus in orbe – „auf der ganzen Welt bekannt“ und setzt sich als bedeutende Persönlichkeit in Szene. Ein echtes antikes Branding! Im zweiten Text spricht Martial die Leser direkt an und empfiehlt sein Buch als treuen Begleiter. Dabei greift er auf ein handliches Pergamentexemplar zurück. Eine frühe Form des Taschenbuchs – statt einer langen Schriftrolle. Praktisch und damit auch ein cleveres Marketing-Tool. Im dritten Text spricht Martial direkt über sein eigenes Buch und thematisiert die Angst vor Kritik. Gerade dieses Problem sollten Autoren auch heute noch kennen. Im vierten und fünften Text wird es knifflig: Hier spricht Martial über Kaiser Domitian mit einem besonders geschickten literarischen Clou: Zuerst wird der Herrscher erwähnt – und am Ende tritt dieser kommentierend selbst im Text als sprechender Leser auf! Die Botschaft: „Wenn der mächtigste Mann Roms die Texte liest, scheinen sie einfach bedeutend zu sein!“
Der Vortrag zeigte deutlich: Imagebildung, Markenführung und Selbstvermarktung gehören nicht erst seit heute zur Bühne der Schriftstellerei. Martial wusste vor rund zweitausend Jahren schon, wie man eine Leserschaft gewinnt und sich auf dem literarischen Markt behauptet. Danke an Prof. Dr. Krasser für diesen spannenden Einblick!
Loana und Marcus (E-Phase Latein, BF)





