Als die ersten Trommelschläge durch das Foyer des Wolfgang-Ernst-Gymnasiums hallen, bleiben viele Schülerinnen und Schüler neugierig stehen. Klare, kraftvolle Rhythmen füllen den Raum, getragen von 15 Fünftklässlern, die mit spürbarer Konzentration und Freude ihre afrikanischen Trommeln spielen. Es ist kaum zu glauben, dass sie erst 90 Minuten zuvor zum ersten Mal gemeinsam getrommelt haben. Zu verdanken haben die Schülerinnen und Schüler dieses Erlebnis der Fördergemeinschaft des WEG, welche den Workshop durch eine großzügige Spende finanziert hat.
In den letzten zwei Wochen erlebten die ersten drei fünften Klassen des WEG einen besonderen Musikvormittag: Musikpädagoge Alexander Jacobi von der Musikschule Jacobi in Schlüchtern führte die Kinder in die Welt afrikanischer Rhythmen ein. Den Workshop finanziert die Schule für den gesamten Jahrgang und legt dabei den Fokus auf gemeinschaftliche, kulturelle und sinnliche Lernerfahrungen.
Ein Einstieg in eine andere Klangwelt
Zu Beginn standen praktische Erfahrungen auf dem Plan: Wie hält man eine Djembe richtig? Wo entstehen „Bass“ und „Slam“? Und warum klingt jede Trommel ein wenig anders? Doch bald ging es um mehr als nur Technik. Mit Regenmachern, Holzfröschen und kleinen Percussion-Instrumenten ließen die Kinder gemeinsam Naturgeräusche entstehen: Blitz, Donner und Regen tauchten den Unterrichtsraum in eine kleine Klanglandschaft.
Schnell wurde deutlich, dass die Verbindung von Rhythmus und Erzählung die Kinder besonders fesselte. Der „Moribayasa“-Rhythmus aus Westafrika, den die Gruppen erarbeiteten, war dabei ein Höhepunkt. Lotte erzählte anschließend beeindruckt, dass sie gelernt hätten, dass Frauen diesen Tanz tanzten, wenn sie eine schwere Zeit hinter sich hatten. Am Moribayasa-Baum hätten sie ihre alte Kleidung abgelegt und neue erhalten, um schlechte Energie loszuwerden. Das habe sie „richtig schön“ gefunden. Für sie war es außerdem eine „tolle musikalische Pause vom normalen Unterricht“ und sie genoss den Klang der Trommeln.
Auch für viele andere wirkte das Erlebnis nach. Rosalie berichtete, dass sie den Rhythmus „zwei Tage lang als Ohrwurm im Kopf“ hatte und Sofie musste nach dem Workshop schmunzeln: Sie habe gedacht, Trommeln sei „super langweilig“. Nun gefalle es ihr so gut, dass sie es sich als Hobby vorstellen könne.
Rhythmus, Kultur und ganz viel Freude
Der Workshop bot zudem Gelegenheit, mehr über die Herkunft der Trommeln zu erfahren. Moritz fand es spannend, etwas darüber zu lernen, auch wenn seine Hände am nächsten Tag vom vielen Üben Muskelkater verspürten. Maximilian war beeindruckt, eine echte afrikanische Trommel in den Händen zu halten. Besonders interessant fand er, dass sie erfuhren, wie die Trommeln hergestellt werden und dass die Trommelfläche aus Ziegenhaut besteht. Er fügte hinzu, dass Alexander Jacobi „wirklich sehr nett“ gewesen sei. Auch Luna blieb die Gestaltung der Instrumente im Gedächtnis und bewunderte die kunstvolle Verzierung der Trommeln.
Neben dem Lernen spielte der Spaß eine zentrale Rolle. Lia berichtete begeistert von einem Trommelspiel, bei dem alle einen eigenen Rhythmus-Namen erhielten und „die Trommeln dann sozusagen die Personen gerufen“ hätten. Das habe „riesigen Spaß“ gemacht. Ivan gefiel besonders der kleine Holzfrosch, mit dem echte Froschgeräusche erzeugt wurden und er fand es spannend, später den Auftritt der anderen Gruppe mitzuerleben. Noah wiederum freute sich über die neuen musikalischen Begriffe, die er gelernt hatte, während Ella mochte, dass die Rhythmen mit Geschichten verbunden waren: „Wir haben Blitz und Donner gespielt und es war spannend, unser Trommel-Wetter mitzuerleben.“ Und sogar erfahrene junge Musiker kamen auf ihre Kosten: Albert, der Schlagzeug spielt, fand die neu erlernten Rhythmen interessant. Auch Emir, der Klavier spielt und im Bläserkurs aktiv ist, sagte, er habe den Trommelworkshop sehr genossen. Workshopleiter Alexander Jacobi zeigte sich sehr angetan von der Offenheit der Kinder und findet es „etwas Besonderes, wenn nach kurzer Zeit der Funke überspringt“, was hier sofort spürbar gewesen sei.
Gerade heute, in einer Zeit, in der viele Kinder von Bildschirmen, Smartphones und digitalen Angeboten angezogen werden, möchte die Schule bewusst Kontrapunkte setzen und Erlebnisse schaffen, die echtes Miteinander ermöglichen und alle Sinne ansprechen. Schulleiter Oliver Eissing betonte, dass zum Bildungsauftrag des WEG selbstverständlich gehöre, Kinder und Jugendliche zu einem reflektierten, verantwortungsvollen und professionellen Umgang mit digitalen Medien zu befähigen. „Doch genauso selbstverständlich ist für uns der Auftrag, analoge, gemeinschaftliche Erlebnisse zu schaffen, in denen Kinder spüren, wie wertvoll echte Begegnungen sind. Nur wenn sie erfahren, dass beides seinen Platz hat, die digitale Welt und das reale Miteinander, können sie ein gesundes Gleichgewicht entwickeln“, betont Eissing.
Ein Impuls, der nachklingen darf
Zum Abschluss präsentierten die Gruppen ihren erarbeiteten Rhythmus im Foyer. In diesem kurzen Auftritt zeigte sich, wie viel in wenig Zeit entstehen kann, wenn Konzentration, Kreativität und Gemeinschaft zusammenkommen.
Insgesamt 155 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 5 werden in diesem Schuljahr die Gelegenheit haben, diese besondere Erfahrung zu machen. Und vielleicht wird bei dem einen oder anderen der Trommelrhythmus noch ein wenig länger nachklingen.

Foto Mädchen: Lilli, Rosalie und Ella aus der 5d während des Workshops

Foto Jungs quer: Der Auftritt der zweiten Teilgruppe im Foyer. V.l.n.r. Noah, Aziz, Moritz und Albert aus der 5d

Foto Hochformat: Maximilian, Elias, Noah, Aziz, Moritz und Albert aus der 5d




